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Freitag, 23.09.: Regionalität

Liebe Leserinnen und Leser,

achten Sie beim Lebensmitteleinkauf schon auf Regionalität? Im Ernährungsreport von 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gaben 78 Prozent der Befragten an, dass Regionalität für sie ein wichtiges Kriterium sei. Doch was bedeutet „regional“ überhaupt? Der Begriff „Region“ ist gesetzlich nicht definiert. In der Regel versteht man unter Region einen geografisch abgegrenzten Raum. Das kann ein Landkreis, ein Bundesland oder ein bestimmter Naturraum sein.

Regionalität kann eine nachhaltige Entwicklung in allen drei Dimensionen fördern. So werden wirtschaftlich betrachtet regionale Märkte gestärkt, regionale und saisonale Lebensmittel schonen das Klima und der Bezug von Produkten aus der Nachbarschaft stärkt das soziale Miteinander.

Vorteile einer regionalen Wirtschaft

Eine regionale Wirtschaft bietet vielfältige Vorteile. So ergänzen regionale Wirtschaftskreisläufe und Märkte die globale Wirtschaftskreisläufe und Märkte. Dadurch werden Abhängigkeiten von globalen Märkten verringert und die Gefahr von Versorgungslücken minimiert. Ein anschauliches Beispiel erleben wir in der aktuellen Energiekrise, die durch Abhängigkeiten vom russischen Gas entstanden ist. Der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland bietet die Möglichkeit, sich zukünftig unabhängig von Energielieferanten aus dem Ausland aufzustellen.

Weiterhin sind bei regionalen Produkten die Transportwege kürzer, wodurch Ressourcen geschont werden. Aber auch die soziale Dimension von Nachhaltigkeit wird durch regionale Märkte gestärkt, indem das Miteinander von lokalen Akteuren und regionalen Unternehmen gefördert wird. Dabei steigen auch durch die räumliche Nähe das Bewusstsein und die Wertschätzung der Konsument*innen für die angebotenen Produkte und Dienstleistungen. Regionale Betriebe werden in ihrer Wirtschaftskraft gestärkt, wovon kulturelle und soziale Aktivitäten in der Region profitieren.

Regionale und saisonale Lebensmittel

Eine eindeutige Definition von „regional“ oder „Region“ gibt es nicht. Das ermöglicht unterschiedliche Auslegungen dieser Begriffe und kann beim Einkauf zu Verwirrung führen. Bei einigen Lebensmitteln ist die Herkunftsangabe aber gesetzlich geregelt. Dazu gehören frisches Obst und Gemüse, vorverpacktes Fleisch, Milch- und Fleischerzeugnisse sowie Eier. Weitere geschützte Label sind das Regionalfenster, das EU-weite Gütesiegel für Lebensmittel mit geschützter Ursprungsbezeichnung und Siegel verschiedener Regionalinitiativen.

Beim Einkauf von Obst und Gemüse sollte aber nicht nur auf die Regionalität, sondern auch auf die Saisonalität geachtet werden. Denn nicht nur weite Transportwege belasten die Umwelt, sondern auch der Anbau außerhalb der Saison in beheizten Gewächshäusern. Der Anbau wärmeliebender Pflanzen während des Winters in Gewächshäusern beansprucht viel Energie und erzeugt damit Treibhausgasemissionen. Etwas anders sieht es bei eingelagerter Ware aus: In Deutschland angebautes Obst und Gemüse muss nach der Ernte kühl gelagert werden, wodurch Treibhausgasemissionen entstehen. Im Vergleich zu Importen schneidet eingelagerte Ware aber mindestens bis ins nächste Frühjahr besser ab.

Die Verbraucherzentrale hat einen Saisonkalender für heimisches Obst und Gemüse veröffentlicht:
Saisonkalender (verbraucherzentrale.de)

Viele Supermärkte bieten mittlerweile regionale Lebensmittel an. Auch online gibt es inzwischen Plattformen, wo man Lebensmittel aus seiner Region bestellen und in der Nähe abholen kann. Darüber hinaus sind Wochenmärkte oder Hofläden eine gute Möglichkeit, bei regionalen Anbietern einzukaufen. Beispielsweise gibt es Gärtnereien, die monatliche Obst- und Gemüsekisten anbieten. Die Initiative Mundraub zeigt auf ihrer Seite, wo herrenlose Obstbäume stehen und legal Obst geerntet werden kann Startseite | mundraub.org. Wer ganz genau wissen möchte, wo seine Lebensmittel herkommen, kann in seinem Garten Obst, Gemüse und Kräuter selber anbauen oder sich in einer solidarischen Landwirtschaft organisieren.

Der CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln

Der CO2-Fußabdruck wird in Kilogramm CO2 pro Kilogramm Lebensmittel angegeben und beschreibt, wie viele Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Produktes freigesetzt werden. Bei Lebensmitteln zählen dazu Anbau, Verarbeitung, Verpackung, Verteilung und Verkauf. Der CO2-Fußabdruck regionaler und saisonaler Lebensmittel ist im Vergleich zu den gleichen Lebensmitteln aus dem Ausland oder außerhalb der Saison höher, denn bei regionalen Lebensmitteln entfallen lange Transportwege und bei saisonalen Produkten werden für den Anbau weniger Ressourcen wie Wasser und Energie benötigt.

Am folgenden Beispiel von Tomaten kann man den Einfluss von Anbau und Verarbeitung gut erkennen:

  • Anbau: Tomaten, die saisonal oder im Freiland angebaut werden (0,3 bzw. 0,4 kg CO2), haben einen geringeren CO2-Fußabdruck als Tomaten, die im Winter im Gewächshaus angebaut werden (2,9 kg CO2)
  • Verarbeitung: Frische Tomaten haben im Durchschnitt (0,8 kg CO2) einen geringeren CO2-Fußabdruck als verarbeitete und verpackte Tomatenprodukte wie passierte Tomaten (1,8 kg CO2) oder Tomatenmark (4,3 kg CO2)

Für die Treibhausgasemissionen durch die Verteilung spielt die Transportart eine entscheidende Rolle. So beträgt der CO2-Fußabdruck bei einer Ananas, die per Flugzeug nach Deutschland kommt, 15,1 kg CO2 und bei einer Ananas per Schiff nur 0,6 kg CO2. Die Verpackung nimmt hingegen keinen großen Einfluss auf den CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln. Der CO2-Fußabdruck einer Salatgurke liegt sowohl mit als auch ohne Plastikfolienverpackung bei 0,4 kg CO2.

Bei Bio-Obst und Bio-Gemüse wird einerseits weniger energieintensiver Mineraldünger eingesetzt, wodurch Emissionen eingespart werden. Durch geringere Erträge im ökologischen Landbau wird aber mehr Anbaufläche benötigt, wodurch diese Einsparungen wieder ausgeglichen werden. Dafür punktet die biologische Landwirtschaft in anderen Bereichen wie dem Wasserschutz und der Artenvielfalt.

Sie interessieren sich für die CO2-Fußabdrücke weiterer Lebensmittel? Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu) hat eine Studie durchgeführt und die CO2-Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland untersucht:Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland (ifeu.de)

Urlaub in der Region

Es muss nicht immer in die Ferne gehen: Deutschland bietet mit 16 Nationalparks, 18 Biosphärenreservaten und vielen kleinen und großen Städten zwischen Meer und Alpen Urlaubsmöglichkeiten für jeden Geschmack. Und auch unsere Nachbarländer beeindrucken mit einer kulturellen und natürlichen Vielfalt. Ein nahegelegenes Urlaubsziel, das ohne Flugzeug und am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann, schont die Umwelt bereits bei der Anreise.

Aber auch für Tagesausflüge bietet die eigene Region viele Möglichkeiten für Mikroabenteuer. Unter Mikroabenteuern versteht man kurze, einfache, lokale, günstige und trotzdem spannende Unternehmungen. In der Regel hat man um seinen Wohnort einen gewissen Radius, in dem man sich bewegt. Man muss nur wenige Kilometer aus diesem Radius heraustreten, um neue Orte zu entdecken und als Tourist in seiner eigenen Region unterwegs zu sein. Das kann die Wanderung in einem unbekannten Wald, der Besuch eines nahegelegenen Volksfestes oder die Buchung einer Stadtführung in der eigenen oder einer nahegelegenen Stadt sein. Die meisten Städte und Regionen verfügen über Touristeninformationen und –portale. Schauen Sie doch mal bei einer solchen Information oder einem solchen Portal vorbei und entdecken Sie Ihre Heimat neu.

Regionale Produkte in der Raiffeisen Waren-Gruppe

In unseren Märkten in Niedersachsens bieten wir regionale Lebensmittel an. Dazu gehören beispielsweise Backmischungen, Nudeln, Konfitüre, Honig, Likör, Wein und Öl von verschiedenen Betrieben aus der Region. Unsere Marktleiter*innen werden bei der Aufnahme von Produkten in das Sortiment einbezogen und können so ihr Wissen und ihre Kenntnis über die regionalen Betriebe und deren Produkte einbringen.

Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeit ist längst mehr als ein Trend, nämlich eine Notwendigkeit für Politik, Gesellschaft und Unternehmen.

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